„Alt werden ist nichts für Feiglinge“ – Mae West soll dies einmal gesagt haben.

Und sie hat recht. Heute wird alles dem Jugendkult untergeordnet. Anti-Aging ist das Stichwort. Gegen das alt werden wird gekämpft. Aber warum gegen das Alter kämpfen?

Pablo Picasso war der Meinung, dass man schon sehr lange leben müsse, um jung zu werden. Er starb im jugendlichen Alter von 91 Jahren. Und Lilli Palmer sagte: „Nur wer sein Alter verleugnet, fühlt sich wirklich alt.“

Aber es stimmt schon. Den Senioren wird das älter werden nicht immer leicht gemacht.

Auf der einen Seite versucht die Werbung zu vermitteln, nur wer jung, schlank, schön und dynamisch ist, hat Erfolg, wird anerkannt und respektiert. Alle, die diese Attribute nicht besitzen, sind erfolglos, unattraktiv oder gehören zum alten Eisen. Viele Frauen und mittlerweile auch Männer versuchen mittels Kosmetik oder chirurgischen Eingriffen das älter werden wegzuschminken oder wegzuschneiden. Nur um dem Idealbild ewiger Jugend so lange wie möglich zu entsprechen.

Auf der anderen Seite wird der Begriff „in Würde altern“ propagiert. Aber was heißt in Würde altern? Gilt das nur für die, die sich im letzten Lebensviertel befinden? Oder schon für jeden, der in die Kategorie 59+ fällt? Ich glaube jeder definiert das etwas anders.

Das eine extrem –  jene, die ewig jung bleiben wollen, egal wie peinlich das auch sein mag. Das andere extrem – die, die sich gehen lassen und physisch und psychisch komplett verfallen und nur mehr auf den Tod warten. Die große Mehrheit findet sich höchstwahrscheinlich irgendwo in der Mitte dieses Spektrums.

Ich persönlich lehne den Begriff „in Würde altern“ komplett ab. Warum muss ich in „Würde“ alt werden?

Graue Haare? Super, viele Junge lassen sich die Haare grau färben, also ist man voll im Trend.

Bunte Haare? Warum nicht – auf den Haarfärbepackungen gibt es kein Alterslimit „nur erlaubt bis 39 Jahre“.

Modetrends? Nur weil gerade die 70er Jahre wieder modern sind, muss man nicht alle Sünden wiederholen.

Junge Menschen können Verrücktheiten begehen und es wird ihnen ob ihrer Jugend nachgesehen Bei Älteren wird sofort der Begriff Senilität und Altersschwachsinn verwendet und sie werden nicht mehr ernst genommen? Weil das nicht dem Bild des alten, weisen Menschen entspricht? Vielleicht.

Warum soll man älter wirken als man sich fühlt. Äußerlichkeiten kann, wer will, wegschminken, wegoperieren lassen oder mittels vorteilhafter Mode kaschieren.

Bei der Gesundheit ist das schon wesentlich schwieriger. Wer nicht das Gen der ewigen Alterslosigkeit besitzt, wird merken, dass mit zunehmender Zahl an Kerzen auf der Geburtstagstorte doch das eine oder andere Zipperlein auftritt. Wer nicht schon immer auf seinen  Körper gehört hat und auf seine Gesundheit geachtet hat, sollte vielleicht jetzt damit anfangen.

Mittlerweile gibt es spezielle Anti-Aging-Praxen. Dort werden Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, körperliche Beschwerden, bestehende Erkrankungen sowie krankmachende Belastungssituationen analysiert. Auch der Stresslevel und Schlafgewohnheiten werden untersucht. Viele bieten eine Body Composition Analyse an. Dabei wird die Körperzusammensetzung gemessen. Also aus wieviel Fett-, Musekl- und Organmasse sowie Wasser Ihr Körper besteht.

Wem das zu teuer ist, der geht einfach zum Hausarzt und unterzieht sich einer Gesundenuntersuchung – 1 Mal pro Jahr. Man muss ja nicht nach dem Motto von George Bernard Shaw leben, der einmal sagte: „Das Alter hat zwei große Vorteile. Die Zähne tun nicht mehr weh und man hört nicht mehr all das dumme Zeug, das ringsum gesagt wird.“

Und es gibt wunderbare Vorbilder, die nicht zwanghaft versuchen, das älter werden zu verstecken wie z.B. Erika Pluhar oder Chris Lohner. Diese Frauen stehen absolut zu ihrem Alter und genießen es. Diese Frauen fühlen sich jung und leben Lilli Palmers Motto.

Zum Schluss noch ein Zitat von Agatha Christie: „Je älter ich werde, desto interessanter werde ich für meinen Mann.“ Ihr Mann war Archäologe.