Gibt es den Pensionsschock überhaupt noch oder hat der in den Ruhestand gehende Mensch heute genügend Alternativen zur Freizeitgestaltung zur Verfügung?

Die Pensionierung stellt bei einigen Menschen eine Stresssituation dar und wird nicht immer positiv erlebt. Ca. ein Viertel aller Österreicher läuft Gefahr die Pensionierung als Pensionsschock zu erleben. Vor allem Männer sind von diesem Phänomen betroffen.

Was ist der Pensionsschock nun genau?

„Der „Himmel Pension“ sieht oft so aus, dass nach einer Phase der Erholung und der Erledigung ewig aufgeschobener Arbeiten eine große Leere kommt. Die gefühlte Sinnlosigkeit und das Gefühl des Nicht-Gebraucht-Werdens schlagen brutal zu. Diese psychische Belastung führt leicht zu einem unkontrollierbaren Dauerstress, der mit Ohnmachtsgefühlen und Hilflosigkeit einhergeht. So lassen sich keine kreativen Lösungen für den Umgang mit der neuen Situation finden.

Und das kann gravierende körperliche Folgen haben: Im Gehirn kommt es zur Aktivierung von Notfallreaktionen, das Herz-Kreislauf-System wird belastet, Cortisol wird vermehrt ausgeschüttet und damit das Immunsystem unterdrückt, die Testosteronproduktion gehemmt und weitere körperliche Regelprozesse destabilisiert.

Die Folgen dieser nicht abstellbaren Notfallreaktionen machen über kurz oder lang krank, entweder körperlich oder psychisch in Form angstbedingter Störungen wie Depressionen, Zwangs- und Angststörungen. Das wird meist erst später sichtbar, denn am Beginn dieser fatalen Reaktionskette steht zunächst oft nur eine durch hektische Betriebsamkeit überspielte Resignation.“ [http://www.wienerzeitung.at, abgefragt am 16-10-2017]

Ursachen eines Pensionsschocks und wen trifft es am häufigsten?

„Die Gefahr, am Ende des Berufslebens in ein seelisches Tief zu geraten, besteht vor allem für Menschen, die ihren Job gerne ausgeübt haben, einen Großteil ihrer sozialen Kontakte im Arbeitsumfeld aufgebaut und andere Interessen zugunsten ihres Berufs immer wieder zurückgestellt haben. Diese Diagnose stellt Ullrich Meise von pro mente tirol. Er hat Daten zum Thema „Pensionsschock“ präsentiert, wonach die Risikogruppe insbesondere von Männern und Menschen, die in einem Beruf mit hohem sozialen Prestige tätig waren, besiedelt wird. „Frauen sind weniger betroffen“, ergänzt Verena Günther von der Uni-Klinik für Psychiatrie in Innsbruck. Sie seien privat meistens besser vernetzt als Männer und „haben mehr außerberufliche Kontakte“.

Im Detail gaben laut Ullrich Meise mehr als ein Viertel der Befragten an, dass ihnen die Arbeitskollegen fehlen, zehn Prozent klagten über Langeweile nach der Pensionierung und sieben Prozent – laut Meise die „Hochrisikogruppe“ fürs Abgleiten in eine Depression – sagten, dass sie sich nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft fühlen. Fachleute sprechen daher auch vom „Empty-Desk-Syndrom“, also einer psychischen Störung, die auf einen leeren – weil geräumten – Schreibtisch zurückzuführen ist. Von vielen Menschen wird die Pensionierung vor allem auch als Schritt in den letzten Lebensabschnitt angesehen – verbunden mit der Angst vor dem Tod oder vor altersbedingten Beschwerden und Einschränkungen, etwa dem Verlust der Mobilität.

Die Signale für eine Depression sind vielfältig – etwa plötzliche Antriebslosigkeit und Übellaunigkeit, aber auch die Tatsache, dass man Interessen oder Hobbys, denen man früher gerne nachgegangen ist, nicht mehr weiterverfolgt. Auch Schlafstörungen können so ein Anzeichen sein.“ [http://www.forumgesundheit.at, abgefragt am 16-10-2017]

Was kann man dagegen tun? Wie kann man sich auf die Pensionierung vorbereiten? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie im 2. Teil des Themenschwerpunktes „Pensionsschock“